Studie
05. September 2025 , München / Frankfurt a.M. – Roboter und Künstliche Intelligenz sind längst mehr als bloße Technik: Sie übernehmen nicht nur Aufgaben im Haushalt, sondern finden auch ihren Platz in unseren Herzen. Was früher Stoff für Science-Fiction war, ist heute Alltag – viele Menschen sprechen mit ihren Robotern, geben ihnen Namen und erleben sie als treue Begleiter. Diese emotionale Nähe überrascht nicht: Je vertrauter die smarten Helfer werden, desto stärker verschwimmen die Grenzen zwischen Maschine und Familienmitglied. Eine aktuelle, gemeinsame Verbraucherumfrage der internationalen Strategieberatung Oliver Wyman, einem Unternehmen von Marsh McLennan, und der Branchenorganisation GFU Home & Consumer Tech zeigt, wie tief diese Bindung bereits reicht – und welche Chancen, aber auch Herausforderungen, sich daraus für Hersteller ergeben.
Für die Studie „Binary Hearts – International consumer study on robotics and companionship“ wurden im August 2025 in vier Ländern[1] rund 4.200 Roboternutzer repräsentativ befragt. Dabei zeigen sich nicht nur Unterschiede zwischen den Kulturen. Auch die Art und Funktionalität des Roboters bestimmt über den Grad der Bindung mit. Während es international nur 28 Prozent der Saugroboter in den Status eines Quasi-Familienmitglieds schaffen, sind schon 43 Prozent der Küchenmaschinen adoptiert und 63 Prozent der automatischen Fensterputzer. Elektronische Haustiere liegen mit 71 Prozent Familienmitgliedsstatus vorne. 81 Prozent der Befragten vermuten bei solchen Stromtierchen, dass sie über eigene Persönlichkeit verfügen.
Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) in Deutschland spricht ihren Robotern eine „eigene Persönlichkeit“ zu. 40 Prozent halten die Küchenmaschinen, Saughilfen oder Poolreiniger sogar für „einen Teil der Familie“. 39 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer verbringen nach eigenem Bekunden gerne Zeit mit ihrem Roboter – und 38 Prozent sagen sogar: „Er versteht mich.“ Noch stärker ausgeprägt ist die Vermenschlichung laut Untersuchung in den USA. Dort liegen die vier emotionalen Bindungswerte in einem Korridor von 63 bis 66 Prozent, während in China (35 bis 38 Prozent) und Japan (28 bis 32 Prozent) ein abgeklärteres Verhältnis zwischen Mensch und Maschine vorherrscht. „Die Menschen in Deutschland erkennen nicht nur die Vorteile von Haushaltsrobotern zunehmend an – sie integrieren die Helfer auch zunehmend in ihre Familie, vergeben Kosenamen und messen die Maschinen mit menschlichen Maßstäben. Daraus erwächst auch eine Verantwortung für die Hersteller, gerade was das Thema Datensicherheit angeht“, beschreibt Dr. Martin Schulte, Partner Retail and Consumer Goods bei Oliver Wyman.
Robbi saugt den Weg frei
Die Zuneigung bleibt nicht folgenlos: 73 Prozent der US-Nutzer:innen haben einen Namen für ihren Haushaltsroboter vergeben, in Deutschland folgt jede und jeder zweite Nutzer:in diesem Muster, während in Japan (49 Prozent) und China (36 Prozent) solche Robotertaufen etwas seltener sind. Die Bandbreite der Spitznamen reicht von Buddy über Pool Pal bis zu allen erdenklichen Wortspielen auf „Roboter“: In Deutschland stehen Robbi, Robert und Putzi laut Studienautor:innen hoch im Kurs. Frauen sehen um acht Prozentpunkte häufiger ihre Roboter als Familienmitglied als Männer. Die mittlere Altersgruppe der 26- bis 45-Jährigen benennt ihre Roboter am häufigsten – 61 Prozent der internationalen Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen tun es.
Für die Hersteller solcher Roboter sind die Erkenntnisse strategisch nutzbar, denn mit der emotionalen Bindung steigt auch die Marken-Loyalität in erheblichem Maße. „Die Konsumentenbefragung zeigt den Herstellern deutlich: Haushaltsroboter haben ein enormes Potential für eine starke Kundenbindung. Lieben Nutzer:innen ihre Roboter, scheint die Liebe zur Marke nur ein konsequenter, weiterer Schritt. Wem es über Produktgestaltung und Marketing gelingt, diese Bindung zu stärken kann viel Loyalität schaffen“, erläutert Dr. Sara Warneke, Geschäftsführerin, GFU Home&Consumer Tech. Die Studie zeigt, dass bei Kundinnen und Kunden mit einer hohen emotionalen Bindung die Bereitschaft zum Kauf eines Software-Upgrades viermal höher liegt als bei solchen mit schwacher Bindung (71 gegenüber 18 Prozent). Auch der Wunsch, lieber für eine Reparatur zu zahlen, ist mit 74 Prozent Zustimmung weit ausgeprägter als bei schwacher Bindung (16 Prozent).
Folgekäufe werden ebenfalls wahrscheinlicher, wenn der erste Roboter die Herzen erobert: Die Neigung, ein Ersatzprodukt derselben Marke zu wählen, liegt dreimal höher, wenn bereits eine emotionale Bindung zum Altgerät besteht (72 gegenüber 27 Prozent). Und auch die Anschaffung eines Zusatzroboters derselben Marke ist mit hoher emotionaler Bindung um den Faktor drei wahrscheinlicher (71 gegenüber 29 Prozent). „Hersteller können im Produktmarketing mit der Brüderchen- und Schwesterchen-Strategie einen messbaren Vorsprung erzielen“, sagt Warneke weiter.
Schwanzwedeln? Geschmackssache
Doch welche Produktmerkmale schaffen tatsächlich Nähe, welche schrecken eher ab? Hier zeigt sich in den Kulturen ein gegensätzliches Bild: Während in China vor allem eine natürliche Stimme und haustierähnliches haptisches Feedback wie ein „Schwanzwedeln“ hoch im Kurs stehen, werden die Deutschen genau davon eher abgeschreckt. Hierzulande sammeln Robbi & Co. am meisten Zuneigung, wenn sie sich selbst reinigen oder gar reparieren können, die Präferenzen des Herrchens oder Frauchens mit der Zeit erlernen oder sich autonom bewegen. „Die erheblichen kulturellen Unterschiede und lokalen Interessen verlangen nach einem differenzierten Marktangang“, sagt Schulte. „Da die Vorlieben in den untersuchten Ländermärkten stark voneinander abweichen, muss auch das Produktdesign der Haushaltsroboter einer durchdachten Lokalisierungsstrategie folgen.“
Zum Download der Studien-Präsentation hier klicken.
Über die GFU Consumer & Home Electronics GmbH
Die GFU ist Markeninhaberin der IFA – einer der weltweit führenden Messen für Home & Consumer Tech. Als Branchenorganisation engagiert sie sich zudem seit mehr als fünf Jahrzehnten für die Sichtbarkeit und Weiterentwicklung des Marktes. Sie berichtet über relevante Zahlen und Trends und ist involviert in Veranstaltungen sowie die strategische Weiterentwicklung der IFA, um Innovationen und zukunftsweisende Entwicklungen zu präsentieren. Zum Gesellschafterkreis der GFU gehören führende Unternehmen der Branche. Weitere Informationen finden Sie unter www.gfu.de .
Über Oliver Wyman
Oliver Wyman, ein Unternehmen von Marsh McLennan (NYSE: MMC), ist eine weltweite Strategieberatung, die fundierte Branchenkenntnisse mit spezialisiertem Fachwissen kombiniert, um Kunden bei der Optimierung ihrer Geschäfte, der Verbesserung ihrer Abläufe und der Steigerung ihrer Leistung zu unterstützen. Marsh McLennan ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Risiko, Strategie und Personal und berät Kunden in 130 Ländern in vier Geschäftsbereichen: Marsh, Guy Carpenter, Mercer und Oliver Wyman. Mit einem Jahresumsatz von 23 Milliarden US-Dollar und mehr als 85.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trägt Marsh McLennan dazu bei, um durch die Kraft neuer Perspektiven erfolgreich zu sein. Weitere Informationen finden Sie unter oliverwyman.com, oder folgen Sie uns auf LinkedIn und X.
[1] 4 Länder: China, Deutschland, Japan, USA